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Revitalisierung des Orpheusplatzes

Vom versiegelten Parkplatz zum klimaresilienten Bildungsraum
Würzburg, Bayern

Bauherr:

Stadt Würzburg

Planung:

2023

Bauzeit:

2023 - 2024

Größe:

560m2

Leistungsphasen:

1-9

Partner:

k.A.

Fotos:

IB Viebahn, Fotograf Jens Schwinn

Die Vision: Begegnung statt Blechlawine

Wo noch vor kurzem parkende Autos die Sicht auf das historische Orpheus-Denkmal versperrten, schlägt heute das grüne Herz des Wirsberg-Gymnasiums. Ziel unseres Entwurfs war es, die triste, 560 m² große Asphaltfläche des ehemaligen Lehrerparkplatzes komplett umzugestalten. Entstanden ist ein lebendiges, klimaresilientes Entree, das Denkmalschutz, moderne Schulpädagogik und urbane Lebensqualität perfekt miteinander verknüpft. Der neue Orpheusplatz ist heute ein identitätsstiftender „Ort der Begegnung“ für die Kollegstufe und die gesamte Schulgemeinschaft.

Das Konzept: Konsequente Klimaanpassung nach dem Schwammstadt-Prinzip

Ein zentraler Fokus der Planung lag auf der vollständigen Abkehr von grauer Infrastruktur. Trotz der historisch sensiblen Lage im vom Zweiten Weltkrieg geprägten Areal verliefen die Erdarbeiten reibungslos und machten den Weg frei für ein wegweisendes ökologisches Gesamtkonzept:

Grüne Transformation: Ein intensives Pflanzkonzept mit über 1.000 Stauden, Gräsern und Gehölzen hat den grauen Asphalt in eine artenreiche, lebendige Oase im verdichteten Stadtquartier verwandelt.

Atmen statt Versiegeln: Ein spezielles Arena-Pflaster mit extrabreiten Fugen sorgt für eine exzellente Wasserretention (Rückhalt) direkt vor Ort und wirkt der sommerlichen Überhitzung der Innenstadt aktiv entgegen.

Platzgestaltung ohne Kanalanschluss: Das gesamte Areal wurde bewusst vom städtischen Kanalnetz abgekoppelt. Stattdessen leitet ein ausgeklügeltes Belagsgefälle das Regenwasser gezielt zu den Baumstandorten. Diese wurden als leistungsstarke Baumrigolen mit jeweils mindestens 10 m³ Substratvolumen ausgebildet. Sie speichern das Wasser wie ein Schwamm – kurzzeitige, bewusste Überflutungen der Teilflächen inklusive.

Funktion: Ein Reallabor für Gemeinschaft und Mobilität

Der neue Platz reagiert präzise auf die Bedürfnisse des modernen Schulalltags und setzt gleichzeitig Impulse für die Würzburger Innenstadt:

  • Lernen und Chillen im Freien: Organisch geformte Liegepodeste mit warmen Holzauflagen bieten Rückzugsorte zum Entspannen. Das Herzstück bildet ein zentrales Auditorium, das – geschützt durch ein architektonisch markantes Sonnensegel und den Schatten von fünf neuen, klimaangepassten Bäumen (plus dem erhaltenen Spitz-Ahorn) – als „Grünes Klassenzimmer“ genutzt wird.
  • Biodiversität zum Anfassen: Neu angelegte Hochbeete und artenreiche Blumenwiesen dienen den Schülerinnen und Schülern als „Reallabor“, um biologische Zusammenhänge direkt vor Ort zu erforschen.
  • Beitrag zur Mobilitätswende: Durch die harmonische Integration neuer Fahrradstellplätze wird die klimafreundliche Mobilität von Lehrkräften und Schülern aktiv gefördert und der Standort nachhaltig aufgewertet.

Fazit

Die Neugestaltung des Orpheusplatzes demonstriert eindrucksvoll, wie durch gezielte landschaftsarchitektonische Interventionen ehemals monotone Verkehrsflächen in hochfunktionale Lebensräume transformiert werden können. Das Projekt vereint ökologische Notwendigkeiten wie die konsequente Entsiegelung und Biodiversitätsförderung mit einem hohen ästhetischen Anspruch und pädagogischem Mehrwert. Es dient als übertragbares Modell für die Rückgewinnung urbaner Freiräume und zeigt, wie soziale Rendite und klimatische Resilienz auf engstem Raum in Einklang gebracht werden können – ein zukunftsweisender Beitrag zur innerstädtischen Freiraumkultur.